Egal ob Sencha, Gyokuro, Matcha, Schwarzer Tee, Jasmintee oder sogar Gersten- und Buchweizentee, in Japan gibt es unzählige Sorten und Geschmacksrichtungen in denen das traditionsreiche Getränk als Alltagsbegleiter oder in Zeremonien zu finden ist. Nichtsdestotrotz handelt es sich ausschließlich um Grüntee, wenn in Japan von Tee (ocha お茶) gesprochen wird.

Aber woher kommt diese tief verankerte Tradition des Teetrinkens eigentlich?

Tatsächlich gelangte der Tee über China nach Japan. So brachten angeblich die beiden, in China studierenden, buddhistischen Mönche Saichō und Kūkai während der Heian-Periode (794 - 1185 n.Chr.)  die ersten Teesamen der Grüntee Pflanze (Camellia Sinensis) nach Japan. Das Getränk galt als Wachmacher für Meditationen und wurde anfangs vorwiegend von Adligen und Mönchen konsumiert. Dabei wurde es in dieser Zeit, anders als heute, hauptsächlich mit frischen Teeblättern oder mit dem sogenannten Teekuchen (gedämpfte, anschließend gemahlene und dann gepresste Teeblätter) zubereitet. 

Im 12. Jahrhundert, brachte dann der japanische Zen-Meister namens Esai eine andere Art von Teesamen, sowie eine neue Zubereitungsmethode (als Pulver- bzw. Matcha-Tee) in die Präfektur Kyōto. Zudem entstanden hier bereits die ersten Regeln für die spezielle Zubereitung des Tees, woraus sich im Zen-Tempel die traditionelle Teezeremonie entwickelte. Der Grundstein für Japan’s Teekultur war somit gelegt und der Konsum von Grüntee verbreitete sich nach und nach über die Adelsschicht und später auch über die Landesgrenzen hinaus. 

Wie sieht nun diese Teekultur in Japan nach fast 1000 Jahren aus?

Bis heute ist das Getränk ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur. Mittlerweile sind diverse Variationen von Tee entstanden und so gibt es zu jeder Gelegenheit die passende Sorte. Egal ob privat oder geschäftlich, bei jedem Treffen wird dem Gast zunächst eine Tasse Tee angeboten. Dazu kann heutzutage sogar noch eine mit Matchapulver verfeinerte Süßigkeit serviert werden, denn nicht nur die verschiedensten Teesorten, sondern auch diverse Produktvarianten (Gebäck, Schokolade, Kosmetik, etc.) haben sich inzwischen verbreitet. 

 

Matcha-Tee-in-Schale-umgeben-von-Blumen-von-Floratcha

 

Aber nicht nur der alltägliche Teegenuss, sondern auch die traditionellen Teezeremonien, mit ihren jahrhundertealten Bräuchen, sind bis heute fest im Leben der Japaner verankert. Dennoch, im Vergleich zu früher, werden Teerituale nur noch von einem kleinen Teil der Gesellschaft praktiziert und der Genuss von Tee hat an Komplexität verloren. So ist es beispielsweise gerade bei jungen Leuten keine Selbstverständlichkeit mehr entsprechendes Zubehör für die Teezubereitung zu besitzen. Stattdessen werden vermehrt trinkfertige Tees auswärts konsumiert, was unter anderem durch die Entstehung hipper Teehäuser mit toller Atmosphäre, gerade in Metropolen, begünstigt wird.

Die japanische Teekultur hat sich somit zum Teil an die heutigen Bedürfnisse der Gesellschaft angepasst. Inwieweit sie sich auch in Zukunft noch weiter entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Wenn wir jetzt euer Interesse für die japanische Kultur allgemein, nicht nur auf Tee bezogen, geweckt haben, dann werden euch die Blog Posts Kinisugi - Das Reparieren mit Gold und Traditional Colors of Japan - Ein Überblick von Floratcha noch mehr begeistern:-) 

Und falls ihr jetzt wissen wollt wie eine traditionelle, japanische Teezeremonie abläuft und welche Regeln von besonderer Bedeutung sind, müsst ihr euch zum nächsten Blog Post gedulden:-)

Bis dahin, interessiert uns natürlich, ob ihr bereits Erfahrungen mit der japanischen Teekultur gesammelt habt?

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